Körpersprache

„Mein Chef sitzt mir schon wieder im Nacken mit dem Abgabetermin.“ , ein Satz, den vermutlich jeder von uns so oder so ähnlich schon einmal gehört hat. Vielleicht hast du ihn ja sogar selbst schon einmal benutzt. Falls ja, hast du dich schon mal gefragt, warum du ausgerechnet diese Formulierung genutzt hast? Du hättest genauso gut sagen können „Der Abgabetermin steht schon wieder kurz bevor“.
Mach doch mal kurz die Augen zu und spreche dir zuerst den einen Satz innerlich vor, warte einen Augenblick und dann den anderen Satz. Spürst du es?
Spürst du wie anders sich diese beiden Sätze im Körper anfühlen?
Die Sprache des Körpers mag für Ungeübte sehr subtil sein. Wenn du dich jedoch etwas damit beschäftigst und deinen eigenen Körper aufmerksam beobachtest, wird sie immer lauter und lauter, schreit dich irgendwann beinahe an.

Vorweg an alle Mediziner/Biologen etc., die diesen Artikel lesen: Ich bin selbst keine ausgebildete Medizinerin und habe versucht die Zusammenhänge so verständlich wie möglich darzustellen. Konkretisierungen oder Korrekturen sind gerne in den Kommentaren willkommen. 🙂 Vielleicht sind ja auch ein paar psychosomatische Mediziner unter euch, die da sicherlich einiges dazu beitragen können.

Flucht oder Angriff

In unserer modernen Welt wird alles immer schneller und schneller – unser Tag wird hektischer, die Informationen strömen an uns vorbei, die Reize steigen ins Unermessliche. Um uns selbst zu schützen, hat unser Gehirn fantastische Filter eingebaut. Gott sei Dank, sonst würden wir wohl wahnsinnig werden. Durch unsere verschiedenen Filterstufen (Verzerrungen / Tilgungen, Erfahrungen, Bewertungen etc.) kommen nur etwa 0,00004% der aufgenommenen Informationen im Bewusstsein an.
Das heißt jedoch nicht, dass die Information gar nicht in uns ankommt. Vor allem über die Amygdala, ein Teil unseres Gehirns, werden Massen von Reizen verarbeitet und über unser sympathisches Nervensystem in unseren Organismus zur Auslösung einer für den Körper passenden Reaktion geschickt.
Das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber das Wesentliche reicht hierfür auch aus:
Irgendein Reiz von Außen ➡ super intelligentes Co-Working aus Uralt-Gehirn und Körper ➡ passende Reaktion des Körpers, während der „bewusste Verstand“ immer noch vor sich hin simmert

Was bedeutet das jetzt in der Konsequenz? Unser Körper fährt ständig eines seiner Kampf-oder-Flucht-Programme ab, während wir noch keinen blassen Schimmer davon haben, dass gerade irgendetwas schief läuft. Das heißt, er spannt zum Beispiel Muskeln an, um für den Kampf gewappnet zu sein, erhöht den Herzschlag, um die Sauerstoffversorgung der Muskeln zu erhöhen, um wegzurennen und hemmt die Verdauung, um während des Kampfes oder des Wegrennens nicht vom einen dringenden Bedürfnis gestört zu werden.

Und du stehst immer noch da, fest in deinem Kopf verankert, statt im Körper, und nimmst nicht bewusst wahr, dass das alles gerade in dir passiert.

Die Sprache des Körpers in der Sprache

Jetzt kommt noch ein weiteres fancy feature: Du hast dich doch sicher auch schon mal sagen gehört „ich habe unterbewusst gemerkt, dass da was komisch war, wusste aber nicht was“. Genau dieses Unterbewusstsein – das ja in diesen Kampf-/Fluchtmodus mit verwickelt ist – ist die ganze Zeit aktiv und sendet Signale an dein Bewusstsein.

Und dann passiert folgendes: Du sagst auf einmal „Mein Chef sitzt mir schon wieder im Nacken mit dem Abgabetermin.“ – der Satz, mit dem der Artikel vorhin angefangen hat.
Denn dein Unterbewusstsein kennt ja die Gefahr, die sich von hinten an dich anschleicht und dich in Hab-Acht-Stellung versetzt. Deine Muskeln spannen sich an, vor allem in Rücken, Schulter, Nacken, um wegzurennen vor der Gefahr. Und weil dein Unterbewusstsein das ja weiß, sprichst du es auf einmal aus: dir sitzt die Gefahr im Nacken.

Unser Alltag ist gespickt mit Phrasen wie diesen. Es sind allerdings in den seltensten Fällen „leere“ Phrasen. Denn sie drücken meist unterbewusst aus, wie es uns geht und welche Signale unser Körper uns bereits senden.

Schulter / Rücken / Nacken – was unsere ganze Körperrückseite zu sagen hat

Was haben wir nicht alles über unsere Körperrückseite zu sagen. Formulierungen rund um den Rücken, die Schultern oder den Nacken sind allgegenwärtig.

  • Da habe ich ganz schön zu buckeln
  • Sich den Rücken krumm machen
  • Vom Leben gebeugt sein
  • Mir sitzt die Angst im Nacken
  • Der/die sitzt mir im Nacken
  • Die Faust im Nacken spüren
  • Nackenschläge bekommen
  • Halsstarrig sein
  • Hartnäckig sein
  • Mir liegt eine Last auf den Schultern
  • Etwas zu schultern haben
  • Auf meinen Schultern ruht eine große Verantwortung
woman in gray dress sitting on bed
Photo by Ba Tik on Pexels.com

Benutzt du immer wieder einige dieser Sätze? Wenn ja, sind Rücken-/Nacken-/Schulterschmerzen und -verspannungen Dinge, die dir bekannt vorkommen?
Gerade wenn man häufig unter Rückenschmerzen leidet, sinkt die Wahrnehmung für leichte Verspannungen. Es wird irgendwann zum eh-immer-da-Gefühl verspannt zu sein. Ich empfehle dir hier mal wieder bewusster wahrzunehmen, wann und wie oft du verspannt bist, z.B. mit Hilfe eines kleinen Tagebuchs.

Der Rücken hat doch immer wieder einiges zu sagen. Die Aufgabe unseres Rückens ist uns und vor allem unseren Kopf zu tragen. Je schwerer er tragen muss, desto größer die Anstrengung, die auf ihm ruht. Wir assoziieren ihn oft mit „Lasten“, „großen Anstrengungen“, „Verantwortung“,…
Diese Traglasten manifestieren sich dann auch häufig in Verspannungen in Rücken, Schultern und Nacken, die langfristig zu Schmerzen führen. Genauso führt dauerhafter Stress dazu unseren Körper krampfhaft in aktivierter Muskulatur zu halten, um zu flüchten, wodurch gerade große Muskelpartien wie der Rücken schnell verspannen können.
Eine Reflexion dessen, was du den ganzen Tag so „mit dir herumträgst“, kann dir helfen die Ursachen für deine Verspannungen zu erkennen. Diese dann zu priorisieren und auch auszusortieren kann dann eine effektive Selbsthilfe gegen Schmerzen sein.

Ich hab da so ein Bauchgefühl…

a woman hands on her belly
  • Das Thema liegt mir schwer im Magen
  • Das bereitet mir Bauchschmerzen 
  • Ich habe ein schlechtes Bauchgefühl 
  • Dabei habe ich Bauchgrummeln
  • Eine Wut im Bauch haben
  • Mir dreht sich der Magen um
  • Ich habe Schmetterlinge im Bauch
  • Da hab ich Schiss
  • Das kotzt mich an
  • Da kommt mir die Galle hoch
  • Ich hab’s satt
  • Das stößt mir sauer auf
  • Das muss ich runterschlucken
  • Das Thema schlägt mir auf den Magen 

Photo by RODNAE Productions on Pexels.com

Die Sprache des Körpers dreht sich ebenfalls ziemlich häufig um alles, was mit unserem Verdauungstrakt zu tun hat. Kein Wunder eigentlich – schließlich sind die allermeisten unserer Organe irgendwie an der Verdauung beteiligt. Außerdem befindet sich in unserem Magen-Darm-Trakt das sogenannte enterische Nervensystem, das zu unserem peripheren Nervensystem gehört. Ja, das klingt jetzt alles super kompliziert, ist aber wirklich spannend. Das periphere Nervensystem ist nämlich das Verbindungsstück zwischen den Körperteilen, Organen, Muskeln, Sinnesorganen etc. und unserem zentralen Nervensystem. Letzteres ist zum Beispiel auch für das Denken, Fühlen und Erinnern verantwortlich.

Sprich: Wir fühlen, denken oder erinnern etwas = Reiz an das zentrale Nervensystem ➡ Signal ans enterische Nervensystem ➡ Reaktion in Magen/Darm

Wen wundert es da noch, dass sich viele stressbedingte Erkrankungen in chronischen Darmleiden äußern (Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn etc.; hierbei ist jedoch de Auswirkung von Stress auf das Immunsystem und den damit verbundenen Entzündungsreaktionen zu beachten).

Wie ist es bei dir? Leidest du vielleicht gerne mal unter Durchfall, wenn du nervös bist? Oder wird dir eher übel vor Aufregung? Vielleicht neigst du aber auch zu Sodbrennen, wenn du dich ärgerst?

Selbsterkenntnis Coaching

Nur nicht den Kopf in den Sand stecken!

  • Ich zerbreche mir den Kopf
  • Das bereitet mir Kopfschmerzen
  • Den Kopf verlieren
  • Ein Dickkopf sein

Ja, der liebe Kopf. Auch in ihm stecken im wahrsten Sinn des Wortes viele Informationen. Spannungskopfschmerzen gehören zu den häufigsten Stresssymptomen. Jeder zweite Deutsche leidet mindestens einmal im Jahr daran.

Kopfschmerzen beschreiben häufig einen Umstand, in dem es für uns darum geht mit Informationen umzugehen. Das lässt sich auch wunderbar an den o.g. Phrasen herauslesen: „mir den Kopf über etwas zerbrechen“ – ich habe keine Ahnung wie ich mit dm Thema umgehen soll, wie ich die Information verarbeiten soll etc.
Auch der typische „system-overload“ nach einem langen Arbeitstag oder am Abend nach einem Seminar verdeutlicht dieses Thema gut: wenn du 8 Stunden lang eine Flut an Informationen aufgenommen hast, brauchst du Ruhe um diese zu verarbeiten. Du bekommst Kopfschmerzen. Vielleicht weil dein System sich davor schützen will noch mehr Informationen zu bekommen. Das Risiko noch mehr Reizen ausgesetzt zu werden sinkt, wenn du Kopfschmerzen hast und deswegen nur noch die Augen zumachst und dich auf der Couch ausruhst.

Wenn du also häufig Kopfschmerzen hast, lohnt sich die Überlegung, welche Informationen deinem Kopf zu schaffen machen könnten

Wenn die Sprache des Körpers unter die Haut geht

  • Mir stehen die Haare zu Berge
  • Das berührt mich sehr
  • Das juckt mich nicht
  • Wer wird denn gleich vor Neid erblassen
  • Sich wohl in seiner Haut fühlen
  • Das geht mir unter die Haut
  • Dünnhäutig sein

Die Sprache des Körpers findest du auch in dessem größten Organ: in der Haut. Experten gehen davon aus, dass etwa 1/4 aller Patienten in einer Hautarztpraxis eine psychische Störung aufweisen. Am häufigsten ist dabei der Juckreiz als dermatologisches Symptom zu finden.

Hast du schon mal darauf geachtet, ob du anfängst dich irgendwo unbewusst zu kratzen, wenn du nervös bist? Ganz klassisch: Wir fangen an uns am Kopf zu kratzen, wenn wir unsicher sind.

Die Haut ist ein Schutzschild, das uns von der Umwelt trennt – unsere sichere Hülle, unsere Komfortzone. Wenn also etwas unsere Sicherheit oder unsere Wohlfühlzone bedroht oder gar in diese Zone eindringt, meldet sich unser Schutzschild, also unsere Haut, zu Wort.

Mit allen Sinnen

  • Das schmeckt mir gar nicht
  • Alles grau in grau sehen
  • Da sehe ich rot!
  • Ich kann dich nicht mehr sehen!
  • Da vergeht einem Hören und Sehen
  • Ich hab die Nase voll!
  • Das stinkt mir gewaltig!
  • Ich kann den nicht riechen
  • Ich kann das nicht mehr hören
  • Da bekommt man Ohrensausen

Auch unsere Sinnesorgane sind fleißige Signalgeber. Sie sind die Eingangspforten für alle Signale und Reize von außen. Pro Sekunde nehmen unsere Sinnesorgane übrigens 11 Mio Bit an Informationen auf – über 90% davon übrigens über die Augen, 9% über die Ohren, der Rest teilt sich auf.

Da ist es leicht nachvollziehbar einfach die Sinneskanäle mal auszuschalten, wenn man keine neuen Informationen mehr haben will. Sehr bekannt dafür ist beispielsweise der stressbedingte Hörsturz, der immer wieder als psychosomatische Begleiterankung bei Burnout-Patienten zu beobachten ist. Auch Schwindel, Doppelbilder und ähnliches können vorkommen.

Es müssen auch nicht immer die großen Signale sein. Es geht auch dezenter vom Körper:
Gehörst du vielleicht zu denen, die keinen Appetit mehr haben, wenn es ihnen nicht gut geht? Wenn dir die Situation „nicht schmeckt“?
Vielleicht neigst du aber auch zu Nebenhöhlenentzündungen, weil es dir mal wieder „gewaltig stinkt“?

Von Füßen, Händen und Schweiß

stones on woman s feet

Photo by EVG Kowalievska on Pexels.com

  • Das verfolgt mich auf Schritt und Tritt
  • Ich stehe unter Druck 
  • Das Thema hat mich fest im Griff
  • Den Halt verlieren
  • Das Zepter in der Hand behalten
  • Kalte Füße bekommen
  • Im Angstschweiß baden 
  • Es läuft mir eiskalt den Rücken hinunter
  • Mir friert das Blut in den Adern
  • Einen Kühlen Kopf bewahren

Die Liste kann noch unendlich fortgeführt werden.
Vom Stress, der sich in den Fußsohlen manifestiert.
Über Sehnenscheidenentzündungen im Daumen, wenn es man wieder zu viel wird.
Kälteempfindlichkeit und Hitzewallungen

Und wie antworte ich der Sprache des Körpers?

Wichtig ist aus meiner Sicht erst mal genau zu beobachten, was der Körper in welcher Situation macht und wie er sich verändert. Ein Tagebuch kann hierbei wirklich helfen. Den Fokus solltest du dabei immer darauf legen, wann etwas anders ist als sonst.

Auch solltest du dir immer wieder selber zuhören, welche Formulierungen du in welchen Situationen verwendest Sie können dir Aufschluss darüber geben, wann du vielleicht in versteckten Konflikten mit dir selbst oder anderen bist. Lies dir dafür auch hin und wieder mal deine eigenen Nachrichten und Mails nochmal durch und achte auf Wiederkehrendes.

Als Tipp kannst du übrigens als erstes auf die Körperstellen achten, mit denen du als Kind vielleicht schon Probleme hattest. Vielleicht musstest du als Kind oft brechen oder warst immer verschnupft. Vielleicht hattest du Neurodermitis in der Kindheit oder hast dir in jungen Jahren mal das Handgelenk verstaucht.
Jeder Körper hat seine eigenen „Sollbruchstellen„, an denen seine Signale in der Regel zuerst ans Tageslicht treten.

Sobald du deine Trigger gefunden hast, kannst du selbstwirksam entscheiden, was du daraus machen möchtest. Du kannst dann
– deinen Alltagsstress reduzieren
– einen zwischenmenschlichen Konflikt ansprechen
– deine eigenen Glaubenssätze reflektieren
– an deiner inneren Haltung arbeiten
– etc.

Wir geben uns meistens in unserer Sprache und unserem Körper selbst die besten Antworten.

Wir müssen nur zuhören.

Mein persönlicher Tipp: Diese Thematik behandle ich übrigens auch umfassend in meinen beiden Coachingprogrammen Sense of Self und Depth Perception. Dort lernst du nicht nur die Sprache des Körpers zu erkennen und zu verstehen, du gehst auch direkt den gesamten Prozess mit mir weiter, um deine inneren Themen zu reflektieren und zu bearbeiten.
Alle Informationen zu den Programmen findest du HIER.

Nachwort: Solltest du unter einer chronischen Erkrankung leiden, empfiehlt sich definitiv eine medizinische Konsultation. Es gibt immer mehr Ärzte, die psychosomatisch arbeiten und hierbei helfen können. Die aufgeführten Punkte, sind lediglich Beispiele und mögliche Erklärungen. Für deinen individuellen Fall solltest du ein intensives Anamnesegespräch mit einem fachkundigen Arzt durchführen, um eine geeignete therapeutische Maßnahme einzuleiten.

Buchempfehlung zum Thema (und auch in vielen Fällen verwendete Quelle):
„Dann ist das wohl psychosomatisch!“, Dr. Med. Alexander Kugelstadt

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

%d Bloggern gefällt das: